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title: "Einmal quantensicher"
date: 2026-09-02T07:35:00+02:00
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tags: ["Anti-Pattern", "Post-Quanten-Kryptografie", "Krypto-Agilität", "Cybersecurity"]
description: "Wer einmal auf quantensichere Verfahren umstellt, hat die Wette nur verschoben. Agilität gehört in Entwurf und Betrieb."
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## 🔍 Was beobachte ich?

In den meisten Organisationen ist Post-Quanten-Kryptografie kein Vorhaben, sondern ein Buzzword aus der Fachpresse. Wo doch ein Migrationsplan existiert, enthält er ein Zieldatum und einen Zielalgorithmus: Bis 2030 oder 2035 soll umgestellt sein, danach gilt die Sache als erledigt. Wie die Organisation den neuen Algorithmus wieder loswird, falls er schwächer ist als erhofft, steht in keinem dieser Pläne.

## 🎯 Was soll eigentlich erreicht werden?

Zwei Ziele auf einmal: der Kryptokalypse zuvorkommen, ohne die Sicherheit von heute preiszugeben. Das BSI hat im Februar 2026 erstmals Fristen gesetzt: Ende 2031 sollen klassische Verfahren nicht mehr allein verschlüsseln, für Signaturen gilt Ende 2035 – der NIST-Entwurf IR 8547 zielt auf denselben Zeitraum.

## ⚠️ Warum funktioniert das nicht?

Die Fristen stehen fest, der Tag des Ernstfalls nicht. Ob je ein Quantencomputer eine kryptografisch relevante Zahl zerlegt, bleibt eine Wette – Peter Gutmann hält die bisherigen Rekorde für Taschenspielerei: faktorisiert wurden die Zahlen 15 und 21, der Versuch mit 35 scheiterte. Kommt die Maschine trotzdem, gibt es keine Übergangsfrist: Die klassische Public-Key-Kryptografie ist über Nacht wertlos, rückwirkend auch für alles, was Angreifende längst mitgeschnitten haben. Und die neuen Algorithmen sind selbst kaum erprobt: Von 69 Einreichungen der ersten NIST-Runde waren Ende 2023 48 Prozent gebrochen. SIKE fiel nach fast fünf Jahren Prüfung in zehn Minuten auf einem einzigen Prozessorkern – mit einem Satz über Kurven vom Geschlecht zwei, 1997 ohne jeden Bezug zur Kryptografie bewiesen.

## 💡 Was funktioniert besser?

Krypto-Agilität gehört in Entwurf und Betrieb, nicht in den Projektplan. Wer Produkte baut, muss den Algorithmus austauschbar halten: konfigurierbar, aushandelbar, ohne fest verdrahtete Schlüssellängen. Wer solche Produkte betreibt, muss den Wechsel zur Routine machen, bevor es darauf ankommt – ein Schalter, den niemand je umgelegt hat, ist keiner. Das ist mühsamer als eine einmalige Umstellung – und in den meisten Organisationen steht davor noch der Schritt, das Thema überhaupt auf die Tagesordnung zu setzen.

## 📚🔍

- BSI-Pressemitteilung: Ende klassischer asymmetrischer Verschlüsselungsverfahren (11.02.2026) [https://www.bsi.bund.de/DE/Service-Navi/Presse/Pressemitteilungen/Presse2026/260211_Ende_klassischer_Verschluesselungsverfahren.html](https://www.bsi.bund.de/DE/Service-Navi/Presse/Pressemitteilungen/Presse2026/260211_Ende_klassischer_Verschluesselungsverfahren.html)
- NIST IR 8547 (Entwurf): Transition to Post-Quantum Cryptography Standards [https://csrc.nist.gov/pubs/ir/8547/ipd](https://csrc.nist.gov/pubs/ir/8547/ipd)
- Peter Gutmann: Why Quantum Cryptanalysis is Bollocks [https://www.cs.auckland.ac.nz/~pgut001/pubs/bollocks.pdf](https://www.cs.auckland.ac.nz/~pgut001/pubs/bollocks.pdf)
- Castryck, Decru: An efficient key recovery attack on SIDH [https://eprint.iacr.org/2022/975](https://eprint.iacr.org/2022/975)
- Daniel J. Bernstein: Quantifying risks in cryptographic selection processes [https://eprint.iacr.org/2023/1838](https://eprint.iacr.org/2023/1838)
