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title: "Wenn jedes Blut als infektiös gilt"
date: 2026-08-10T07:35:00+02:00
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tags: ["Montagspost", "Zero Trust", "Assume Breach", "Incident Response"]
description: "Universelle Vorsichtsmaßnahmen schützen ohne Diagnose. Assume Breach will dasselbe – und scheitert an derselben Stelle wie die Händehygiene."
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## 🌍 Das vertraute Bild

Mitte der achtziger Jahre stand die Medizin vor einem Problem, das sie nicht lösen konnte: Man sah niemandem an, ob das Blut HIV trug. Anamnese und Untersuchung reichten nicht aus. Die CDC zog daraus einen radikalen Schluss und empfahl 1987 die universellen Vorsichtsmaßnahmen. Seither gilt das Blut jedes Menschen als potenziell infektiös – nicht weil alle infiziert wären, sondern weil niemand die eine Ausnahme zuverlässig erkennt.

## 🔬 Die erste Parallele

Genau das meint Assume Breach. Nicht „wir sind kompromittiert", sondern „wir können es nicht unterscheiden". Der Bruch mit der alten Ordnung ist derselbe: Man hört auf, einzelne Fälle zu klassifizieren, und ändert stattdessen das Verfahren für alle. NIST SP 800-207 formuliert das als Grundannahme der Zero-Trust-Architektur – das eigene Netz ist nicht vertrauenswürdiger als jedes fremde.

## 🔄 Wo die Analogie weiterträgt

Sie trägt bis in die Zahlen. Mandiant misst für 2025: Angreifende blieben im Median 14 Tage unentdeckt, in Spionagefällen 122 Tage. Nur 52 Prozent der betroffenen Organisationen bemerkten den Einbruch selbst. Wer von außen gewarnt wurde, hatte die Angreifenden im Median 25 Tage im Haus statt 9. Das ist keine Annahme mehr, das ist eine Beschreibung.

## ⚠️ Wo sie bricht

Und hier wird es unbequem. Die Medizin hat ihre Regel nie zum Erfolg erklärt: Die Händehygiene wird laut WHO ohne gezielte Programme nur in etwa 40 Prozent der Fälle befolgt. Nicht aus Unwissen – zugestimmt haben alle. Sondern weil Routine unter Zeitdruck stärker wirkt als Einsicht. Assume Breach scheitert an derselben Stelle: Der Satz steht in jeder Strategie, die Segmentierung rutscht im nächsten Projekt trotzdem wieder ans Ende der Liste.

## 💡 Was bleibt

Die universellen Vorsichtsmaßnahmen haben die Prävention nicht ersetzt. Sie haben eine Schicht darunter gelegt, die auch dann trägt, wenn die Diagnose fehlt. Darin liegt der Wert des Satzes – und darin liegt sein Preis. Er verlangt Aufwand für einen Zustand, den niemand sehen kann. Nicht sehen können und nicht sehen wollen liegen nah beieinander. Das ist ungemütlich. Es ist trotzdem die ehrlichste Position, die wir einnehmen können.

## 📚🔍

- NIST SP 800-207: Zero Trust Architecture [https://nvlpubs.nist.gov/nistpubs/SpecialPublications/NIST.SP.800-207.pdf](https://nvlpubs.nist.gov/nistpubs/SpecialPublications/NIST.SP.800-207.pdf)
- Universal Precautions (StatPearls, NCBI) [https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK470223/](https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK470223/)
- WHO: First-ever research agenda on hand hygiene in health care [https://www.who.int/news/item/12-05-2023-first-ever-who-research-agenda-on-hand-hygiene-in-health-care-to-improve-quality-and-safety-of-care](https://www.who.int/news/item/12-05-2023-first-ever-who-research-agenda-on-hand-hygiene-in-health-care-to-improve-quality-and-safety-of-care)
- M-Trends 2026 (Google Cloud Threat Intelligence) [https://cloud.google.com/blog/topics/threat-intelligence/m-trends-2026](https://cloud.google.com/blog/topics/threat-intelligence/m-trends-2026)
