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title: "Gefangen in der Cloud"
date: 2026-07-20T07:35:00+02:00
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tags: ["Montagspost", "Cloud", "Vendor Lock-in", "Risikomanagement"]
description: "Die Cloud ist wie eine möblierte Wohnung: leicht bezogen, teuer verlassen. Vendor-Lock-in ist ein strategisches Risiko, kein Detail."
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## 🌍 Das vertraute Bild

Ich vergleiche den Bezug einer Cloud gern mit dem Einzug in eine möblierte Wohnung. Alles ist da, sofort nutzbar, keine eigene Anschaffung nötig. Man unterschreibt und lebt am selben Tag. Der Komfort ist echt – und er ist der Anfang der Bindung.

## 🔬 Die erste Parallele

Die Möbel gehören dem Vermieter. Man richtet sich ein, verlegt Leitungen, baut Regale nach Maß – alles passt exakt in diese eine Wohnung. Übertragen heißt das: proprietäre Dienste, spezifische APIs, verwaltete Datenbanken. Je tiefer man sich einrichtet, desto mehr Arbeit steckt in einer Umgebung, die man nicht besitzt.

## 🔄 Wo die Analogie weiterträgt

Der Auszug offenbart die Rechnung. Die eingebauten Regale passen nirgendwo sonst, und für jeden Karton, den man hinausträgt, verlangt der Vermieter Gebühren – in der Cloud heißen sie Egress-Kosten. Daten entwickeln Schwerkraft: Was einmal in der Cloud liegt, zieht die Anwendungen nach und lässt sich kaum noch bewegen. Und wenn im selben Haus alle wohnen, trifft ein einziger Stromausfall die ganze Stadt. Am 20. Oktober 2025 legte ein fehlerhafter DNS-Eintrag in einer einzigen AWS-Region 113 Dienste lahm – von Fortnite über Signal bis zu Zahlungsdiensten. Wer nur dort wohnte, saß im Dunkeln.

## ⚠️ Wo sie bricht

Eine Wohnung kann man kündigen; die Kaution kommt zurück. Bei der Cloud gibt es keine saubere Rückgabe. Der Umzug ist kein Wochenende, sondern ein Projekt über Monate, oft über Jahre – manchmal so teuer, dass die Organisation lieber bleibt und den Preis zahlt. Lock-in ist selten eine einzelne Entscheidung; er entsteht aus tausend bequemen Schritten.

## 💡 Was wir daraus lernen

Für mich ist Vendor-Lock-in kein technisches Detail, sondern ein strategisches Risiko – es gehört ins Risikoregister, nicht ins Kleingedruckte. Wer einzieht, sollte den Auszug schon mitdenken: Wo entstehen proprietäre Abhängigkeiten, was kostet der Wechsel, welche Daten kämen je wieder heraus? Der EU Data Act zwingt Anbieter seit 2025, den Wechsel zu erleichtern – doch die eigentliche Freiheit entsteht früher, bei der Architektur. Man sollte nicht in jeder Wohnung fest verbauen, was man später nicht mitnehmen kann.

## 📚🔍

- AWS US-EAST-1 Outage Analysis, 20. Oktober 2025 (ThousandEyes) [https://www.thousandeyes.com/blog/aws-outage-analysis-october-20-2025](https://www.thousandeyes.com/blog/aws-outage-analysis-october-20-2025)
- Race Condition in DynamoDB DNS System – AWS-Postmortem (InfoQ) [https://www.infoq.com/news/2025/11/aws-dynamodb-outage-postmortem/](https://www.infoq.com/news/2025/11/aws-dynamodb-outage-postmortem/)
- EU Data Act – Fair access and switching between cloud services (Europäische Kommission) [https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/data-act](https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/data-act)
