Das strategische Hoch

🔍 Was beobachte ich?
Risikoworkshops enden mit Ampelfarben. „Hoch", „mittel", „niedrig" – ohne Zahlen, ohne Herleitung. Nicht weil Daten fehlen. Sondern weil „hoch" niemanden festlegt. Wer nie eine Zahl nennt, kann nie danebenliegen.
🎯 Was soll eigentlich erreicht werden?
Risiken sollen priorisierbar sein – über Zeit, über Personen, über Budgetentscheidungen hinweg.
⚠️ Warum funktioniert das nicht?
„Hoch" ist nicht falsifizierbar. Ein Risiko mit 5 % Wahrscheinlichkeit und 10 Mio. € Schaden ist „hoch". Eines mit 40 % und 200.000 € auch. Was kostet die Gegenmaßnahme – und lohnt sie sich für welches der beiden? Die Ampel kann diese Frage nicht beantworten. Sie schützt nicht vor dem Risiko. Sie schützt vor der Aussage.
💡 Was funktioniert besser?
Fermi-Zerlegung: Statt einer Kategorie zerlegen wir in prüfbare Teilfragen. P(Ransomware) ≈ Angriffsrate im Sektor × Exposition × (1 − Kontrolleffektivität). Jeder Faktor ist separat hinterfragbar – und verbesserbar. Das FAIR-Framework formalisiert diesen Ansatz. Hubbard zeigt: Ein 90-%-Konfidenzintervall ist präziser als „hoch" und ehrlicher als eine Punktschätzung, die niemand einhalten muss.
📚🔍
- Hubbard & Seiersen: How to Measure Anything in Cybersecurity Risk (2. Aufl.) https://www.wiley.com/en-us/How+to+Measure+Anything+in+Cybersecurity+Risk%2C+2nd+Edition-p-9781119892304
- FAIR Institute: What Is FAIR https://www.fairinstitute.org/what-is-fair
- Verizon 2025 Data Breach Investigations Report https://www.verizon.com/about/news/2025-data-breach-investigations-report
- IBM Cost of a Data Breach 2024 https://www.ibm.com/reports/data-breach
- Wikipedia: Fermi-Aufgabe – Zerlegungsmethode https://de.wikipedia.org/wiki/Fermi-Aufgabe