🔍 Was beobachte ich?

In jeder zweiten Risikomatrix multipliziert jemand Wahrscheinlichkeit mit Schadenshöhe. Aus „2 × 4 = 8" wird ein „mittleres Risiko", aus „3 × 3 = 9" ein „hohes". Die Ampel springt auf Rot, das Steuerungsgremium nickt.

🎯 Was soll eigentlich erreicht werden?

Risiken sollen vergleichbar werden. Eine Zahl, eine Farbe, eine Entscheidung. Die Risikomatrix gilt seit Jahrzehnten als pragmatische Standardmethode.

⚠️ Warum funktioniert das nicht?

Auf einer Ordinalskala ist nur die Reihenfolge definiert, kein Abstand. „Hoch" ist nicht doppelt so viel wie „mittel" – es ist einfach danach. Multiplikation und Addition sind dort undefiniert (Stevens, 1946). Selbst IEC 31010 stellt klar: „Mathematical formulae cannot be applied to ordinal scales" – die Praxis rechnet trotzdem. Ein Beispiel: 1 % × 100 Mio. € ergibt ordinal 1 × 5 = 5; 20 % × 1 Mio. € ergibt 3 × 2 = 6. Die Matrix kürt das fünfmal kleinere Risiko zum größeren. Cox zeigt: In typischen Matrizen werden weniger als zehn Prozent solcher Paare korrekt sortiert. Die Ampel ist Theater, kein Maß.

💡 Was funktioniert besser?

Ordinalskalen dürfen sortieren, nicht rechnen. Wer Häufigkeit und Höhe kombinieren will, braucht Intervall- oder Verhältnisskalen – wie FAIR sie modelliert. Schätzen geht immer; die Unsicherheit gehört ins Modell, nicht in die Ausrede (Hubbard). Sauber gerechnete Szenarien darf man dann auf eine Matrix abbilden – nur rechnen darf man darin nicht.

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