Das eine Risikomaß

🔍 Was beobachte ich?
Jedes Security-Dashboard zeigt Risiko-Scores. CVSS, Risk-Index, Risikorating – alles landet auf einer Skala. Die Ampel springt auf Rot, der Score überschreitet 7,5, also wird priorisiert. Wessen Abweichung von welchem Ziel dabei gemeint ist, fragt niemand.
🎯 Was soll eigentlich erreicht werden?
Risiken vergleichbar und priorisierbar machen. Entscheidungstragende sollen auf einen Blick sehen, was kritisch ist – und Investitionen dorthin lenken, wo der Handlungsbedarf am größten ist.
⚠️ Warum funktioniert das nicht?
ISO 31000 definiert Risiko als Auswirkung von Unsicherheit auf Ziele. Der Fehler beginnt davor: Personen und Gruppen verfolgen unterschiedliche Ziele. Ein CFO will finanzielle Stabilität. Betriebsverantwortliche wollen Verfügbarkeit. Die Compliance-Abteilung will regulatorische Konformität. Wessen Zielabweichung misst dieser eine Score?
Ein universelles Risikomaß beantwortet diese Frage nicht – es versteckt sie. Es tut so, als gäbe es ein gemeinsames Ziel, das sich sinnvoll in einer Zahl ausdrücken lässt. Das gibt es nicht.
💡 Was funktioniert besser?
Ziele explizit machen, bevor Risiken bewertet werden. Wessen Ziele sind betroffen – und wie stark? FAIR trennt zumindest Häufigkeit und Schadenshöhe: das ist ein Anfang. Stakeholder-spezifische Sichten helfen mehr als ein universelles Ranking. Wer priorisiert, trifft eine Entscheidung. Keine Formel nimmt das ab.
📚🔍
- ISO 31000:2018 Risk management — Guidelines https://www.iso.org/standard/65694.html
- FAIR Institute – What is FAIR https://www.fairinstitute.org/what-is-fair
- MDPI: Multi-Dimensional Risk Analysis https://www.mdpi.com/2227-9091/13/4/79
- FIRST – CVSS v4.0 Specification https://www.first.org/cvss/v4-0/
- SRA Glossary of Risk-Related Terms https://www.sra.org/risk-analysis-introduction/risk-analysis-glossary/